11. August 2025

Eitel Daniel

Naming, Logo, Designsystem: Erscheinungsbild entwickeln

Foto von davisuko

Der erste Eindruck entsteht, bevor jemand dein Angebot verstanden hat … oft sogar, bevor jemand einen einzigen Satz von dir gelesen hat. Dein Name, dein Logo, deine Farben, deine Schrift: all das wirkt in Sekunden. Und entscheidet unbewusst darüber, ob du als relevant, vertrauenswürdig oder austauschbar wahrgenommen wirst. Viele denken beim Thema Branding an Design, an Grafik, an „schön aussehen“. Doch ein stimmiges Erscheinungsbild ist viel mehr als nur Dekoration. Es ist Ausdruck deiner Positionierung. Es zeigt, wofür du stehst und wie du wahrgenommen werden willst. Gerade in einem Markt voller visueller Reize wird Klarheit zur Währung. Denn wenn dein Markenauftritt nicht konsistent ist, wirkt auch dein Angebot nicht konsistent. Wenn dein Name nicht hängen bleibt, wird auch deine Lösung vergessen. Wenn dein Design beliebig wirkt, wirst du auch als Anbieter beliebig wahrgenommen.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du ein visuelles Fundament entwickelst, das trägt … mit einem passenden Namen, einem einprägsamen Logo und einem Designsystem, das deine Marke zum Leben erweckt.

Naming: Der richtige Name als Fundament

Ein guter Name ist wie ein guter erster Satz: er öffnet Türen, macht neugierig und bleibt hängen. Gleichzeitig ist er eine der weitreichendsten Entscheidungen im Markenaufbau. Denn was du heute benennst, wirst du über Jahre hinweg kommunizieren, gestalten, schützen und aufbauen müssen.

Was ein guter Markenname leisten muss

Ein starker Name erfüllt vier zentrale Kriterien:

  • Einprägsamkeit: Er bleibt im Kopf, auch ohne Erklärung.
  • Sprechbarkeit: Er lässt sich intuitiv aussprechen und gut weiterempfehlen.
  • Differenzierung: Er klingt nicht wie alle anderen in deiner Branche.
  • Verfügbarkeit: Domain, Social Media und Markenrechte müssen prüfbar und frei sein.

Namensarten im Überblick

  • Deskriptiv: Der Name beschreibt, was du tust. (z. B. „Booking.com“)
  • Assoziativ: Der Name weckt ein Bild oder Gefühl. (z. B. „Amazon“)
  • Kreation: Der Name ist neu erfunden und oft einzigartig. (z. B. „Google“, „Spotify“)
  • Personenbezogen: Der Name basiert auf Gründer:innen oder historischen Figuren. (z. B. „Tesla“)

Der Namensfindungsprozess

  1. Brainstorming ohne Zensur: Ideen sammeln, auch wilde.
  2. Clustering & Auswahl: nach Klang, Aussage, Passung zur Marke.
  3. Verfügbarkeitsprüfung: Domain, Social Handles, Markenschutz (DPMA, EUIPO etc.).
  4. Testen & Feedback: intern wie extern.

Was du vermeiden solltest

  • Trendnamen, die morgen alt wirken
  • Komplizierte Schreibweisen oder Bindestrichmonster
  • Bedeutungen in anderen Sprachen nicht prüfen (klassischer Fehler)

Ein guter Name trägt deine Marke … wortwörtlich. Nimm dir dafür Zeit. Denn ändern lässt er sich nur schwer und nie ohne Reibungsverluste.

Logoentwicklung: Symbolik, Klarheit, Wiedererkennung

Ein Logo ist mehr als ein hübsches Symbol. Es ist das visuelle Aushängeschild deiner Marke … auf Visitenkarten, Websites, Produkten, Social Media. Und oft ist es das Erste, was Menschen von dir sehen.

Ein gutes Logo funktioniert wie ein Leuchtturm: Es macht dich sichtbar, unterscheidet dich von anderen und gibt Orientierung.

Was ein starkes Logo auszeichnet

Ein wirkungsvolles Logo erfüllt mehrere Anforderungen:

  • Einfachheit: Es ist klar, reduziert und auf das Wesentliche konzentriert.
  • Wiedererkennbarkeit: Es ist unverwechselbar, auch auf kleinem Raum.
  • Flexibilität: Es funktioniert in Schwarzweiß, auf verschiedenen Hintergründen, digital wie gedruckt.
  • Zeitlosigkeit: Es folgt keinen kurzlebigen Trends.

Typen von Logos

  • Wortmarke: Der Unternehmensname als Logo (z. B. Google)
  • Bildmarke: Ein Symbol ohne Text (z. B. Apple)
  • Kombination: Text plus Symbol (z. B. Adidas, Lufthansa)
  • Embleme: Schrift im Symbolrahmen (z. B. BMW, Starbucks)

Der Logoentwicklungsprozess

  1. Markenkern definieren: Wofür steht die Marke und wie soll sie wirken?
  2. Moodboard & Stilrichtung: Welche Designwelt passt?
  3. Skizzen & Entwürfe: Erste Ideen, oft per Hand oder digital.
  4. Reduktion & Ausarbeitung: Varianten vergleichen, Details verfeinern.
  5. Test & Anwendung: Funktioniert das Logo auch im Alltag (z. B. als Favicon, auf dem Smartphone, im Print)?

Beispiele für starke Logos

  • FedEx: Schlichte Wortmarke mit verstecktem Pfeil = steht für Dynamik.
  • Nike: Der „Swoosh“ als Symbol für Bewegung und Energie.
  • Deutsche Bank: Einfacher Rahmen, diagonaler Strich = Stabilität und Wachstum.

Ein Logo ist kein Kunstwerk, sondern ein Werkzeug. Es muss schnell verstanden, vielseitig einsetzbar und inhaltlich aufgeladen sein. Wenn es das schafft, wird es zum Anker deiner Markenidentität.

Farben, Schriften & Designelemente

Farben und Schriften sind keine Nebensache … sie sind zentrale Bausteine deiner Markenidentität. Sie wecken Emotionen, schaffen Wiedererkennung und geben deinem Auftritt Haltung.

Wer seine visuelle Sprache nicht bewusst wählt, überlässt den ersten Eindruck dem Zufall.

Farbwelten mit Bedeutung

Farben sprechen eine psychologische Sprache, oft unterbewusst. Sie beeinflussen, wie deine Marke wahrgenommen wird:

  • Blau: Vertrauen, Seriosität, Technologie (z. B. SAP, LinkedIn)
  • Rot: Energie, Leidenschaft, Dringlichkeit (z. B. Coca-Cola, YouTube)
  • Grün: Nachhaltigkeit, Natürlichkeit, Wachstum (z. B. Spotify, Landliebe)
  • Gelb/Orange: Optimismus, Kreativität, Wärme (z. B. McDonald’s, Fanta)
  • Schwarz/Weiß: Klarheit, Luxus, Zeitlosigkeit (z. B. Chanel, Apple)

Wichtig ist: Definiere eine Primärfarbe (wird am häufigsten verwendet) und maximal 2–3 Sekundärfarben, die dein Farbsystem ergänzen.

Typografie: Stimme deiner Marke

Die Wahl der Schriftart hat direkten Einfluss auf die Wirkung deiner Inhalte:

  • Serifen-Schriften (z. B. Times New Roman): klassisch, seriös, lesefreundlich im Fließtext
  • Serifenlose Schriften (z. B. Helvetica, Montserrat): modern, klar, gut für digitale Anwendungen
  • Display-Schriften (z. B. für Headlines): eigenständig, emotional, aber sparsam einsetzen

Wähle maximal zwei Schriftschnitte: eine für Fließtext, eine für Headlines. Und achte auf Barrierefreiheit (z. B. Kontrast, Lesbarkeit).

Designelemente & Bildsprache

Neben Farben und Schrift brauchst du klare Regeln für:

  • Bildstil (z. B. realistische Fotos, Illustrationen, Flat Design)
  • Grafiken (Icons, Linien, Muster)
  • Ton & Textsprache (formal vs. locker, aktiv vs. beschreibend)

Diese Elemente sorgen dafür, dass deine Marke überall gleich wirkt, egal ob Website, LinkedIn-Beitrag oder Visitenkarte.

Design wirkt dann professionell, wenn es nicht auffällt, sondern trägt. Farben, Schriften und Elemente sind deine visuelle Grammatik. Wenn du sie beherrschst, wird deine Marke sichtbar, glaubwürdig und unverwechselbar.

Designsystem & Styleguide: Konsistenz ist kein Zufall

Ein gutes Design entsteht nicht im Moment, denn es wird systematisch wiederholt. Was auf der Website funktioniert, muss auch in der Präsentation, im Flyer oder auf Social Media erkennbar sein. Genau dafür brauchst du ein Designsystem und idealerweise einen Styleguide, der es dokumentiert.

Was ist ein Designsystem?

Ein Designsystem ist mehr als ein Set an Logos und Farben. Es ist ein Regelwerk, das festlegt, wie deine Marke visuell und kommunikativ auftritt … in allen Formaten und Kanälen.

Es umfasst:

  • Farbcodes (Hex, CMYK, RGB)
  • Typografie-Spezifikationen (Größen, Abstände, Schriftschnitte)
  • Logo-Varianten (positiv, negativ, quadratisch, responsive)
  • Grafikelemente (Icons, Linien, Muster)
  • Bildsprache & Tonalität (Foto-Stil, Sprachstil, Begriffe, Do’s & Don’ts)

Wozu ein Styleguide?

Ein Styleguide (auch Brand Manual oder Corporate Design Guide) dokumentiert dein Designsystem schriftlich, idealerweise in einem klar strukturierten PDF oder einer digitalen Guideline.

Vorteile:

  • Einheitlichkeit bei externen Dienstleistern (z. B. Agenturen, Druckereien)
  • Klarheit für neue Mitarbeitende
  • Schnellere Erstellung neuer Medien (durch wiederverwendbare Komponenten)
  • Weniger Abstimmungsbedarf = mehr Geschwindigkeit

Wo und wie kommt es zum Einsatz?

  • Print & Verpackung: Broschüren, Visitenkarten, Versandmaterialien
  • Digital: Website, Social Media, E-Mail-Signaturen, Präsentationen
  • Intern: Onboarding, Mitarbeiterunterlagen, internes Branding

Tools für die Umsetzung

  • Designsysteme in Figma, Adobe CC, Sketch oder Canva Pro
  • Digitale Brand Guidelines mit Tools wie Frontify, Zeroheight oder Notion

Fazit:

Ein Designsystem ist kein Luxus, sondern eine Basis für effizientes Arbeiten und konsistente Wirkung. Wenn alle Elemente definiert, dokumentiert

Fehler vermeiden: Wenn das Design nicht trägt

Ein starkes Design unterstützt deine Marke. Ein schlechtes verwässert sie. Und oft sind es nicht die groben Schnitzer, die den Unterschied machen, sondern kleine Unsauberkeiten, die sich summieren.

Häufige Fehler im Markenauftritt

  1. Beliebigkeit statt Klarheit Wenn dein Name, Logo oder Farbwelt genauso wirkt wie die deines Wettbewerbs, bist du austauschbar, sowohl visuell als auch inhaltlich.
  2. Zu viele Stile auf einmal Ein Social-Media-Post sieht anders aus als die Website. Die Präsentation hat andere Farben als der Flyer. So entsteht kein Wiedererkennungseffekt, vielmehr Verwirrung.
  3. Design ohne Strategie Viele Logos oder Erscheinungsbilder entstehen „aus dem Bauch“, ohne Bezug zur Markenpositionierung. Das Ergebnis: hübsch, aber wirkungslos.
  4. Overdesign Zu viele Details, zu viele Farben, zu viel „Effekt“. Gute Gestaltung lebt von Reduktion, und davon, dass sie funktioniert, auch wenn man sie klein denkt.
  5. Fehlende Anpassungsfähigkeit Wenn dein Logo auf Social Media nicht lesbar ist oder deine Schrift auf mobilen Geräten zu klein wirkt, verlierst du Sichtbarkeit im Alltag.

Was du besser machst

  • Halte dich an dein Designsystem. Konsequent.
  • Lass Gestaltung immer aus der Marke heraus entstehen, nicht aus modischen Trends.
  • Teste dein Design auf verschiedenen Endgeräten, Formaten und Kanälen.
  • Reduziere, was nicht unbedingt nötig ist. Klarheit schafft Stärke.

Ein gutes Design ist kein Kunstwerk für die Wand … es ist ein Werkzeug für Wirkung. Es muss funktionieren, verständlich sein und die Marke tragen. Alles andere ist Dekoration ohne Substanz.

TL;DR | Sichtbarkeit beginnt mit Identität

Marketing beginnt nicht beim Posting, sondern beim Auftreten. Ein konsistentes, durchdachtes Erscheinungsbild ist kein Nice-to-have, sondern Voraussetzung für Vertrauen, Wiedererkennung und Markenbindung. Wenn Name, Logo, Farben und Typografie ein klares Bild ergeben, entsteht Identität. Und diese Identität ist es, die Menschen sich merken. Sie hilft dabei, dich einzuordnen, dich wiederzufinden und dich weiterzuempfehlen.

Ein gutes Designsystem spart dir langfristig Zeit, sichert Qualität und schafft Klarheit: für Kund:innen, für Mitarbeitende und für dich selbst. Es gibt dir einen Rahmen, in dem du professionell kommunizieren kannst, ohne jedes Mal von vorn zu beginnen. Denn Sichtbarkeit ist das Ergebnis von Klarheit. Und Klarheit beginnt mit einer starken, eindeutigen Gestaltung deiner Marke.

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