29. August 2025

Eitel Daniel

Typische Anwendungsfälle von Marketing-Automatisierung

Foto von Daryan Shamkhali

Die meisten arbeiten im Marketing noch sehr manuell. Ein Newsletter wird einzeln verschickt, Anfragen aus Kontaktformularen landen in einem E-Mail-Postfach, und neue Leads geraten leicht in Vergessenheit. Dabei gibt es längst Möglichkeiten, solche Routineaufgaben zu automatisieren. Das spart nicht nur Zeit, sondern macht die Kommunikation professioneller und zuverlässiger.

Ein Missverständnis hält sich hartnäckig: Automatisierung sei nur für große Konzerne oder teure Agenturen. Tatsächlich profitieren gerade kleinere Betriebe davon, weil sie oft wenig Personal haben und jede Stunde wertvoll ist. Ein Handwerksunternehmen, das automatisierte Terminbestätigungen verschickt, wirkt sofort professioneller. Ein Online-Shop, der Kunden nach dem Kauf automatisch bedankt und Zusatzinfos liefert, spart Aufwand und stärkt die Beziehung.

Automatisierung bedeutet nicht, dass man die persönliche Ansprache verliert. Sie sorgt vielmehr dafür, dass zur richtigen Zeit die passenden Informationen beim Kunden ankommen.

Der erste Eindruck: Automatisierte Willkommensstrecken

Wenn sich jemand für einen Newsletter anmeldet oder ein kostenloses Infoprodukt herunterlädt, ist das Interesse am größten. Wer in diesem Moment nur eine nüchterne Bestätigung verschickt, lässt wertvolles Potenzial liegen. Eine automatisierte Willkommensstrecke schafft hier den Unterschied.

Ein Beispiel: Ein kleiner Fitness-Club bietet auf seiner Website einen Trainingsplan als PDF an. Nach dem Download startet eine kurze E-Mail-Serie. Die erste Mail begrüßt den neuen Kontakt und erklärt, was er in Zukunft erwarten darf. Einige Tage später folgt eine Mail mit einem Video, das den Trainingsplan ergänzt. Danach zeigt eine weitere Nachricht Kundenstimmen und Erfahrungsberichte. Schließlich lädt der Club zu einem kostenlosen Beratungsgespräch ein.

Diese Abfolge passiert automatisch, sobald sich jemand eingetragen hat. Der Aufwand für das Unternehmen liegt nur einmal im Erstellen der Inhalte. Danach läuft der Prozess im Hintergrund und sorgt dafür, dass neue Interessenten vom ersten Moment an Vertrauen aufbauen.

Kontakte entwickeln: Lead-Nurturing für den Mittelstand

Nicht jeder, der eine Website besucht oder ein Formular ausfüllt, ist sofort bereit, Kunde zu werden. Manche suchen zunächst nur Informationen, vergleichen Anbieter oder wollen sich einen Überblick verschaffen. Hier hilft ein strukturierter Prozess, der Interessenten Schritt für Schritt begleitet.

Ein Beratungsunternehmen könnte das so umsetzen: Wer ein Whitepaper herunterlädt, erhält zunächst weitere Informationen zum Thema, etwa eine Checkliste oder einen kurzen Leitfaden. In der nächsten Phase bekommt der Kontakt Fallbeispiele und Erfahrungsberichte, die zeigen, wie andere Kunden ähnliche Probleme gelöst haben. Erst wenn das Interesse weiter steigt, folgt ein Angebot für ein persönliches Gespräch oder eine Demo.

Automatisierung sorgt dabei für das richtige Timing. Klickt jemand auf einen bestimmten Link, wird er automatisch in die passende Serie eingestuft. Bleibt er inaktiv, kann nach einiger Zeit eine Erinnerung folgen. So bleiben Kontakte in Bewegung, ohne dass ständig manuell nachgehakt werden muss.

Termine professionell vereinbaren und erinnern

Gerade Dienstleister kennen das Problem: Der Austausch zur Terminfindung kostet Zeit und sorgt oft für unnötige E-Mails. Automatisierte Buchungssysteme lösen dieses Problem. Ein Interessent sieht online die freien Zeiten, trägt sich selbst ein und erhält sofort eine Bestätigung.

Ein Beispiel: Ein Steuerberater hinterlegt seine freien Slots in einem Online-Kalender. Kunden können direkt auf der Website einen Termin auswählen. Das System verschickt automatisch eine Bestätigungsmail und erinnert einen Tag vorher an das Gespräch. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand den Termin vergisst, sinkt erheblich. Gleichzeitig spart das Büro viel Abstimmungsarbeit.

Auch Folgeaktionen können automatisiert werden. Nach einem Termin kann eine Dankesnachricht verschickt werden, ergänzt durch ein kurzes Feedbackformular. Auf diese Weise entsteht ein runder Prozess, der professionell wirkt und Kundenbindung stärkt.

Personalisierte Kommunikation dank Segmentierung

Manche Unternehmer befürchten, dass automatisierte Mails unpersönlich wirken. In Wahrheit ist das Gegenteil der Fall, wenn man richtig vorgeht. Das Stichwort lautet Segmentierung. Kontakte werden in Gruppen eingeteilt, je nachdem, welche Interessen oder Bedürfnisse sie haben.

Ein Online-Shop für regionale Lebensmittel könnte seine Kunden zum Beispiel nach Kaufverhalten unterscheiden. Wer häufig Obst bestellt, erhält Tipps und Rezepte rund um frisches Obst. Wer eher Käse einkauft, bekommt passende Empfehlungen. So fühlt sich jeder Kunde individuell angesprochen, auch wenn die Mails automatisch verschickt werden.

Die Technik sorgt lediglich dafür, dass die Inhalte zur richtigen Zeit am richtigen Ort ankommen. Die persönliche Ansprache bleibt erhalten, weil die Nachrichten gezielt auf den jeweiligen Bedarf zugeschnitten sind.

Onboarding: Neue Kunden willkommen heißen

Die Arbeit endet nicht mit einem Kauf oder Vertragsabschluss. Gerade danach ist es wichtig, dass Kunden sich gut aufgehoben fühlen. Ein strukturiertes Onboarding schafft Orientierung und Vertrauen.

Nehmen wir ein Softwareunternehmen als Beispiel. Direkt nach der Registrierung erhält der Kunde eine E-Mail mit den Zugangsdaten und einer kurzen Einführung. Zwei Tage später folgt eine Nachricht mit Antworten auf häufige Fragen und einem Link zur Wissensdatenbank. Nach einer Woche lädt das Unternehmen zu einem Webinar ein, in dem Funktionen live gezeigt werden. Zwei Wochen später fragt eine weitere Mail nach der bisherigen Erfahrung und bittet um Feedback.

Solche Abläufe sorgen dafür, dass Kunden sich nicht allein gelassen fühlen. Gleichzeitig reduziert sich der Aufwand im Support, weil viele Fragen schon im Vorfeld beantwortet werden.

Interne Abläufe entlasten: CRM-Automatisierung

Automatisierung ist nicht nur in der Kommunikation mit Kunden hilfreich, sondern auch im Hintergrund. Wer ein CRM-System nutzt, kann dort viele Aufgaben automatisieren. Neue Kontakte werden automatisch den richtigen Listen zugeordnet, Erinnerungen für das Team werden erstellt, und bestimmte Aktionen lösen Folgeaufgaben aus.

Ein Beispiel: Ein Autohaus erhält eine Anfrage über ein Formular. Das System legt den Kontakt automatisch im CRM an, weist ihn dem zuständigen Verkäufer zu und erstellt eine Erinnerung für einen Rückruf. Öffnet der Interessent eine bestimmte Mail, wird das automatisch erfasst und der Kontakt erhält zusätzliche Informationen. So bleibt kein Lead unbeachtet, auch wenn das Team klein ist.

Gerade in Unternehmen mit wenig Personal sorgt das für Effizienz. Fehler durch manuelle Übertragungen werden vermieden, und jeder weiß, was der nächste Schritt ist.

Verknüpfungen von Systemen

Damit Automatisierung reibungslos funktioniert, müssen die eingesetzten Systeme miteinander kommunizieren. Viele Tools lassen sich heute direkt verbinden oder über Dienste wie Zapier oder Make verknüpfen. Ein Formular auf der Website kann automatisch einen Kontakt im CRM anlegen, eine E-Mail-Serie starten und das Team per Nachricht informieren.

Ein kleiner Online-Shop könnte so nach einem Kauf automatisch eine Bestätigung verschicken, den Kunden im CRM hinterlegen, eine Dankesmail mit passenden Produktempfehlungen senden und gleichzeitig den Versand anstoßen. Alles läuft im Hintergrund, ohne dass ein Mitarbeiter jeden Schritt einzeln anstoßen muss.

TL:DR | Kleine Schritte, große Wirkung

Automatisierung ist keine „Rocket Science“ und kein Privileg großer Konzerne. Gerade kleine und mittlere Unternehmen profitieren enorm, wenn sie wiederkehrende Abläufe einmal durchdacht und dann automatisiert umsetzen. Der Einstieg gelingt am besten mit einfachen Prozessen wie einer Willkommensserie oder einem Terminbuchungssystem. Schritt für Schritt können weitere Abläufe ergänzt werden.

Am Ende zählt nicht, wie viele Tools im Einsatz sind, sondern ob sie das Team entlasten und Kunden ein gutes Gefühl geben. Wer früh beginnt, baut Strukturen auf, die mit dem Unternehmen wachsen können. So wird Marketing effizienter, professioneller und näher am Kunden.

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